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Erhört die Unerhörten! Familien von Kindern mit Beeinträchtigungen benötigen dringend Unterstützung in der Corona-Pandemie

16. Apr 2020

Erhört die Unerhörten! Familien von Kindern mit Beeinträchtigungen benötigen dringend Unterstützung in der Corona-Pandemie
Erhört die Unerhörten! Familien von Kindern mit Beeinträchtigungen benötigen dringend Unterstützung in der Corona-Pandemie

Sie finden in der öffentlichen Corona-Debatte so gut wie gar nicht statt, sind daher unsichtbar und nennen sich die „Unerhörten“. Dabei benötigen insbesondere die hochbelasteten Familien von Kindern mit Beeinträchtigungen dringend Unterstützung in der Corona-Pandemie. Die Lebenshilfe Niedersachsen fordert die Politik daher auf, die betroffenen Familien nicht zu vergessen und schnellstmögliche Unterstützungsangebote bereit zu stellen.

„Wir wissen um zahlreiche Eltern, die zu Hause seit nunmehr gut fünf Wochen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, ihre Kinder mit Beeinträchtigungen pflegen und physisch wie psychisch am Ende ihrer Kräfte sind“, erläutert der Vorsitzende der Lebenshilfe Niedersachsen, Franz Haverkamp. Die Aussicht, dass insbesondere die Förderschulen, Tagesbildungsstätten und Werkstätten noch weit über den 4. Mai hinaus geschlossen bleiben oder womöglich gar nicht mehr öffnen in diesem Schuljahr, löse bei den Eltern regelrecht blankes Entsetzen oder gar Panik aus. „Die bisherigen Hilferufe und Appelle der pflegenden Eltern verhallen leider ungehört. Eltern beeinträchtigter Kinder fühlen sich daher zurecht vergessen, ausgegrenzt und völlig allein gelassen in ihrer Situation“.

Kaum Entlastungsmöglichkeiten

Zwar nehmen einige Eltern zur stundenweisen Betreuung ihrer Kinder die Verhinderungspflege in Anspruch. „Die hierfür im Jahr zur Verfügung stehenden maximal 1.612 Euro sind allerdings aufgrund des derzeitigen immensen Entlastungsbedarfes oftmals bereits so gut wie aufgebraucht“, betont Landesgeschäftsführer Holger Stolz. „In den kommenden Wochen können die Familien dann keine Hilfe mehr ‚einkaufen‘.“ Andere Eltern ließen zum Schutz ihrer Risikogruppen-Kinder hingegen kaum noch Helfer*innen ins Haus bzw. bekommen keine Helfer*innen mehr und leisten die Rund-um-die-Uhr-Pflege daher komplett alleine. In sehr vielen Familien habe sich ein berufstätiges Elternteil unbezahlt freistellen lassen müssen. Zwar seien kurzfristige finanzielle Kompensationen z.B. über das Pflegeunterstützungsgeld möglich. „Das ist aber der ‚Tropfen auf dem heißen Stein‘. Hier muss die Politik dringend Abhilfe schaffen“, fordert Stolz.


Full-Time-Job ohne Pausen

In der Öffentlichkeit ist oftmals nicht bekannt, wie belastend für Eltern die dauerhafte häusliche Rund-um-die-Uhr-Pflege ihrer beeinträchtigter Kinder ist. Je nach Beeinträchtigung und Pflegegrad umfasse allein die Grundpflege die Körperwäsche, das regelmäßige Wechseln der Inkontinenzvorlagen, das Anreichen der Mahlzeiten, den Transfer in und aus dem Rollstuhl und die Verabreichung von Medikamenten. „Zusätzlich müssen körperlich behinderte Kinder oftmals mobilisiert werden, Kinder mit geistigen Behinderungen sind häufig auf feste Tagesstrukturen angewiesen“, erläutert Franz Haverkamp. „So kann beispielweise ein getragener Mundschutz bei einigen Kindern Panik auslösen.“ Eltern, die diese Zuhause-Pflege komplett alleine leisten, haben einen Full-Time-Job ohne jegliche Pause.

Flexible Hilfen dringend erforderlich

Haverkamp und Stolz befürchten daher, dass nicht wenige pflegende Eltern ohne notwendige Unterstützung regelrecht zusammenbrechen und dann ausfallen werden – mit dramatischen Folgen für die behinderten Kinder. „Wir fordern die Politik daher auf, schnelle, unbürokratische und flexible Hilfen für betroffenen Familien bereit zu stellen – sowohl pflegerisch als auch finanziell.“ So müsse die Notbetreuung in den Schulen auch für behinderte Kinder und Jugendliche gelten und entsprechend erweitert werden. „Zudem sollten pflegende Eltern weitere finanzielle Hilfen bekommen, um Helfer*innen ins Haus holen zu können“, fordert Holger Stolz. Franz Haverkamps Appell richtet sich daher ganz speziell an die politischen Entscheider: „Unterstützen Sie Familien von Kindern mit Behinderungen und zeigen Sie somit, dass aus den bislang ‚unerhörten‘ nun die ‚gehörten‘ Eltern werden.“


Die Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen e.V. wurde am 13. Oktober 1962 von 10 Orts- und Kreisvereinigungen gegründet. Heute gehören dem Landesverband 113 Mitgliedsorganisationen an. Über 75 % aller in Niedersachsen tätigen teilstationären Eingliederungseinrichtungen haben sich in der Lebenshilfe Niedersachsen als ihrem Dach- und Fachverband zusammengeschlossen. Die Lebenshilfe ist Elternvereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung. Der Selbsthilfegedanke hat dabei große Bedeutung. Über die Akademie für Rehaberufe bietet die Lebenshilfe Fortbildungen insbesondere für Fachkräfte, Menschen mit Beeinträchtigung und Angehörige an.

Mit Standorten in Hildesheim, Wildeshausen und Hannover ist die Lebenshilfe Niedersachsen Ausbilder in der Heilerziehungspflege in Niedersachsen. Die Geschäftsstelle des Landesverbandes der Lebenshilfe hat ihren Sitz in Hannover.


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Ihr Ansprechpartner: Frank Steinsiek

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